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Kreuzbandriss? Was danach tun?

Das Kniegelenk ist das größte und neben dem Schultergelenk eines der komplexesten Gelenke im menschlichen Körper.

Obwohl es die größtmögliche Stabilität und optimale Mobilität für unseren gesamten Körper ausmacht, ist es selbst nur sehr bedingt stabil. 

Anatomie des Knies 

Das Kniegelenk ist nämlich aus zwei Teilgelenken aufgebaut. 

Das Erste befindet sich zwischen dem Oberschenkelknochen (Femur) und dem Schienbein (Tibia) und beschreibt das Femorotibialgelenk. 

Das zweite Gelenk wird aus dem Femur und der Kniescheibe (Patella) gebildet und trägt den Namen Femoropatellargelenk. 

In seiner Gesamtheit ist das Kniegelenk ein Drehscharniergelenk.

  • Als Scharniergelenk lässt es sich beugen (Flexion) und strecken (Extension). 
  • Als Drehgelenk lässt es sich in gebeugter Position um die Längsachse des Unterschenkels rotieren (Innen- und Außenrotation) 

Aufgrund der unterschiedlichen Größen von Femur und Tibia, passen deren beiden Gelenkflächen nicht optimal zueinander. Der Oberschenkelknochen ist viel größer als der Schienbeinknochen und daher wird aus dem knöchernen Kniegelenk ein ziemlich instabiles Gebilde.

Erst durch die Gelenkknorpel, Bänder und die Muskulatur wir aus dem Kniegelenk ein stabiles Konstrukt. So wird die Inkongruenz beispielsweise dank der beiden Menisken ausgeglichen.

Genauso stabilisieren die beiden Bänder (Innen- und Außenband) das Kniegelenk vor allem in gestreckter Position und schützen es vor Varus- und Valgusstress. Das bedeutet, sie stabilisieren das Kniegelenk gegenüber Kräften, welche das Gelenk bzw. den Gelenkspalt nach außen (lateral = Varusstress) bzw nach innen (medial, Valgusstress) eröffnen wollen. 

Bei der Beugung des Kniegelenkes erschlaffen die Bänder jedoch und die Kreuzbänder übernehmen die primäre Stabilisation. 

Welche Funktionen haben die Kreuzbänder im Kniegelenk?

Die Kreuzbänder bestehen wie fast alle Bänder im menschlichen Körper aus 70-80% kollagenem Bindegewebe und aus 3–5 % Elastin. Sie können aufgrund ihrer Zusammensetzung und Faseranordnung den stärksten Zugkräften widerstehen. 

Sie übernehmen grundsätzlich sichernde, führende und hemmende Aufgaben und sind die wichtigsten passiven Stabilisatoren:

  • Erhöhen den Anpressdruck und Erhalten den Kontakt der Gelenkpartner bei Rotation
  • Vermeiden eine Überstreckung (Hyperextension) des Kniegelenkes
  • Verhindern ein Abrutschen der Tibia nach vorn (anterior) oder hinten (posterior)
  • Hemmen eine übermäßige Innenrotation
  • Erhalten die funktionelle Rotationsstabilität

1. Das vordere Kreuzband

Das vordere Kreuzband verläuft von hinten-oben-Außenseite nach vorne-unten-Innenseite.

Als agonistisch mitwirkende Muskulatur (=Hauptmuskulatur) wird die ischiokrurale Muskulatur beschrieben, da sie die Tibia während der Beugung des Kniegelenks aktiv nach hinten ziehen und somit ein Abrutschen nach vorne vermeidet. Der funktionelle Antagonist (Gegenspieler) beschreibt den M. quadriceps femoris, welcher bei einer Flexion die Tibia aktiv nach vorne zieht und ein Abrutschen begünstigt.

2. Das hintere Kreuzband

Das hintere Kreuzband verläuft von vorne-oben-Innenseite nach hinten-unten-Außenseite.

Als agonistisch mitwirkende Muskulatur wird der M. quadriceps femoris beschrieben, da er die Tibia während der Beugung des Kniegelenks aktiv nach vorne zieht und somit ein Abrutschen nach hinten vermeidet. 

Der funktionelle Antagonist beschreibt die ischiokrurale Muskulatur, welche bei eine Flexion die Tibia aktiv nach hinten zieht und ein Abrutschen begünstigt.

Muss jeder Kreuzbandriss operiert werden?

Rupturen der Kreuzbänder durch Verdrehungen sind beim Sport weit verbreitet. Vor allem bei plötzlichen Richtungsänderungen kommt es häufig zu Verletzungen der Kreuzbänder. Aber auch Unfälle mit stumpfer Gewalteinwirkung können zu Kreuzbandrissen führen. In der Regel ist das vordere häufiger betroffen, als das hintere Kreuzband.

Meist macht sich eine Ruptur durch ein deutliches „Knacken“, eine enorme Schwellung, evtl. mit Hämatom und akute Schmerzen im Kniegelenk bemerkbar. 

Die Schmerzen in Ruhe lassen bald nach, werden durch Belastung aber wieder ausgelöst. 

Die Versorgung von Kreuzbandrissen wird von verschiedenen Faktoren abhängig gemacht, u.a. von

  • Schwere und Lokalisation der Kreuzbandruptur
  • Beteiligung umliegender Strukturen (u.a. Menisken)
  • Alter und körperliche Verfassung des Betroffenen
  • körperlichen und sportlichen Aktivität des Betroffenen

Eine Entscheidung über eine Operation oder eine konservative Behandlung sollte stets individuell mit dem Arzt besprochen werden.

Allgemein lässt sich aber sagen, dass vor allem bei jungen, sportlichen Betroffenen, welche eine hohe Belastbarkeit des Kniegelenkes benötigen, in der Regel operiert wird.

Ist der Alltag des Betroffenen jedoch nicht durch eine hohe körperliche Aktivität oder Belastung geprägt, oder die Prognose einer selbstständigen Heilung positiv, werden meist vorerst konservative Methoden ausgeschöpft.

Welche Übungen eigenen sich besonders gut nach einem Kreuzbandriss? 

Bevor ein Wiedereintritt in das Training nach Kreuzbandriss möglich ist, muss die Freigabe der vollständigen Belastung durch den Arzt erfolgt sein! Zudem wird meist immer eine physiotherapeutische Begleitung nach einer solchen Verletzung verordnet, in welcher bereits mit den ersten Übungen begonnen wird. 

Ist die Freigabe erteilt, können dir folgende Übungen nach Kreuzbandriss helfen, um wieder in Form zu kommen:

Übungen Kreuzbandriss: Muskelaufbau

Der Muskelaufbau steht neben der Stabilisierung des Kniegelenkes im Vordergrund der Übungen.

Um mögliche Ausweichbewegungen auszuschließen, bietet sich zu Beginn ein geführtes Training an Geräten sehr gut an, um die Muskulatur separat wieder zu kräftigen. 

Starte außerdem moderat mit deinen Gewichten, denn während einer Ruhigstellung können 25-50% der Muskelmasse verloren gegangen sein. 

Übungen Kreuzbandriss: Knie stabilisieren

Neben dem geführten Aufbautraining ist natürlich auch das freie Training wichtig, da es nicht nur Muskelkraft, sondern auch ausreichend Muskelkoordination bedarf, die unbedingt weiter geschult werden sollte.

Du solltest zu jeder Zeit auf deine Beinachse achten und diese anatomisch und physiologisch richtig einhalten. 

Je nach Trainingserfahrung gibt es eine Reihe von möglichen Übungen nach Kreuzbandriss zum Knie stabilisieren, u.a.: 

  • Single Leg Stand, Single Leg Stand with Movement, Single Leg Dead Lift
  • Lunges, Side Lunges, Band/Cable Isometric Lunges
  • Squats, Single-Leg Squats (Skater Squats), Squats with Kickback, Lateral Squat Walk with Loop

Diese und weitere Übungen können sowohl mit, als auch ohne Gewicht trainiert werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit auf instabilen Unterlagen, wie z.B. Balance Boards, zu trainieren, welche die Tiefenmuskulatur mit verbessern. 

Fazit

Kreuzbandriss ist keine schöne Sache. Wichtig ist, dass man vorher bereits präventiv daran arbeitet, indem man seine Tiefenmuskulatur und -sensibilität, seine Koordination und seine Dehnbarkeit und Beweglichkeit in den Knien stärkt. 

Bereits das Dehnen der Oberschenkelmuskulatur und der Waden schützt präventiv. Aber auch Übungen wie gut kontrollierte Kniebeugen, Ausfallschritte und leichte Sprungübungen stärken deine Knie. 


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